Meilenstein im Tierschutz von Pferden und Ponys in Italien

Meilenstein im Tierschutz von Pferden und Ponys in Italien - eine weitreichende Gesetzesinitiative, die Pferde, Ponys, Esel und Maultiere rechtlich als Haustiere einstuft.

Meilenstein im Tierschutz von Pferden und Ponys in Italien

A Milestone in the Protection of Horses and Ponies in Italy

In Italien gibt es derzeit mehrere Gesetzesinitiativen, die den Schutz von Pferden, Eseln, Ponys, Maultieren und anderen Equiden deutlich ausweiten wollen. Ein zentraler Vorschlag trägt den Titel „Norme per la tutela degli equidi e loro riconoscimento come animali di affezione“ – also sinngemäß: Regelungen zum Schutz der Equiden und ihre Anerkennung als Tiere, zu denen Menschen eine besondere Beziehung haben. Der entsprechende Gesetzentwurf C. 2187 wurde 2025 eingebracht und befindet sich seit Februar 2026 im parlamentarischen Ausschussverfahren.

Ein weiterer Gesetzentwurf, C. 2585, sieht ebenfalls die Anerkennung von Equiden als „animali di affezione“ vor und enthält weitere Maßnahmen zum Schutz der Tiere und zur möglichen Umstellung der Haltung bzw. Zucht. Dieser Vorschlag wurde im Februar 2026 einem Ausschuss zugewiesen; die inhaltliche Beratung hatte zu diesem Zeitpunkt noch nicht begonnen.

Was bedeutet „fühlende Lebewesen“?

Interessant ist, dass Italien Pferde nicht erst jetzt als empfindungsfähige Tiere entdeckt. Bereits der offizielle italienische „Codice per la tutela e la gestione degli equidi“ spricht ausdrücklich von der Würde des Equiden als „essere senziente“, also als fühlendem bzw. empfindungsfähigem Lebewesen. Der Kodex betrifft Pferde, Ponys, Esel, Maultiere und Maulesel und verlangt eine Haltung unter Berücksichtigung ihrer körperlichen und ethologischen Bedürfnisse.

Auch das italienische Gesundheitsministerium beschreibt bereits heute Maßnahmen zum Schutz und zur Gesundheit von Equiden. Der bestehende Kodex enthält Vorgaben für Bereiche wie Unterbringung, Zucht, Ausbildung und sportliche Nutzung. Das Ministerium weist allerdings darauf hin, dass dieser Kodex grundsätzlich freiwillig ist und als erster Schritt zu einer umfassenderen Regulierung gedacht war.

Außerdem erkennt auch das EU-Recht Tiere ausdrücklich als „fühlende Wesen“ an. Artikel 13 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union verpflichtet EU und Mitgliedstaaten dazu, bei bestimmten politischen Maßnahmen die Anforderungen des Tierschutzes unter Berücksichtigung des Status der Tiere als empfindungsfähige Wesen zu berücksichtigen.

Was soll sich also ändern?

Der aktuelle italienische Vorstoß geht deshalb weniger darum, erstmals festzustellen, dass Pferde Gefühle haben können. Es geht vielmehr darum, diesen Gedanken stärker in konkrete Rechtsvorschriften umzusetzen.

Ein wesentlicher Punkt ist die mögliche Anerkennung von Equiden als „animali di affezione“. Damit würden Pferde rechtlich stärker in Richtung Tiere eingeordnet, die in einer besonderen Beziehung zum Menschen stehen und deren Wohlergehen nicht allein unter wirtschaftlichen oder sportlichen Gesichtspunkten betrachtet werden soll.

Damit verbunden sind Diskussionen über verschiedene Formen der Nutzung von Pferden, beispielsweise:

  • Haltung und Unterbringung
  • Ausbildung und Training
  • Pferdesport
  • Zucht
  • Transport
  • öffentliche Veranstaltungen
  • touristische Nutzung
  • Umgang mit Pferden nach dem Ende ihrer sportlichen oder beruflichen Karriere
  • Verwendung von Pferden zur Fleischproduktion

Die genaue Reichweite hängt allerdings davon ab, welcher der Gesetzesvorschläge letztlich weiterverfolgt und in welcher Form er beschlossen wird.

Besonders wichtig: Es ist noch kein fertiges Gesetz

Das ist für die Einordnung sehr wichtig. Die derzeit diskutierten Vorschläge sind Gesetzesinitiativen und noch keine allgemeingültige neue Rechtslage. Der italienische Senat führt beispielsweise beim Gesetzentwurf C. 2187 ausdrücklich an, dass sich dieser seit Februar 2026 noch im parlamentarischen Prüfungsverfahren befindet.

In Italien gibt es derzeit mehrere politische Initiativen, die den rechtlichen Schutz von Pferden und anderen Equiden erheblich ausweiten wollen. Ein zentraler Bestandteil ist ihre stärkere Anerkennung als empfindungsfähige Tiere mit eigenen Bedürfnissen und als „animali di affezione“. Dadurch soll ihr Wohlergehen stärker gegenüber wirtschaftlichen, sportlichen oder traditionellen Interessen berücksichtigt werden. Die entsprechenden Gesetzesvorschläge befinden sich jedoch noch im parlamentarischen Verfahren.

Warum ist das Thema umstritten?

Das Thema berührt in Italien mehrere Bereiche, in denen Pferde traditionell eingesetzt werden – etwa Pferdesport, Zucht, Veranstaltungen und teilweise auch die Lebensmittelproduktion. Deshalb geht es bei der Diskussion nicht nur um Tierschutz, sondern auch um die Frage, welche Formen der Nutzung eines Pferdes mit seinem Status als empfindungsfähiges Lebewesen vereinbar sind.

Das italienische Gesundheitsministerium hat bereits Regeln für öffentliche Veranstaltungen mit Pferden. Dazu gehören beispielsweise Anforderungen an die Eignung der Tiere, die Beschaffenheit von Rennstrecken und Einrichtungen sowie Kontrollen und Ausschlüsse bestimmter Personen mit einschlägigen Verurteilungen.

Kurz gesagt: Es handelt sich nicht um eine komplett neue Idee, Pferde als fühlende Wesen zu betrachten. Neu bzw. politisch relevant ist der Versuch, diesen Grundsatz rechtlich stärker durchzusetzen und den Status von Pferden grundlegend aufzuwerten.

Quellen:

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